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Heirat in Vietnam

Die Minderheiten berauschen sich bei dieser Gelegenheit häufig mit selbst gebrautem Schnaps, der mit Holzröhrchen aus irdenen Tonkrügen getrunken wird. Auf dem Land wird meist lokal gebrautes Zapfbier getrunken. Ziel ist in beiden Fällen gemäß dem vietnamesischen Sprichwort: chua say ruou, chua ve nha (nicht nach Hause gehen, wenn man noch nicht betrunken ist).

In den städtischen Ballungszentren sind arrangierte Hochzeiten selten geworden. Geheiratet wird meist ohne großen administrativen Aufwand vor dem örtlichen Volkskommittee unter dem Bild von Onkel Ho. Gefeiert wird anschließend meistens in einem Restaurant, wenn möglich vor dem Tetfest, dem vietnamesischen Neujahrsfest. Diese Hochzeitsfeiern sind wohl das Langweiligste, was man in Vietnam erleben kann. Sie dauern selten mehr als eine Stunde. Jeder Gast überreicht einen phong bi (einen Umschlag mit Geld), isst seinen Reis, trinkt ein oder zwei Bier und geht nach Hause.
In diesem Jahr habe ich eine für mich neue Hochzeitsvariante gesehen. Nach der Trauung zeigen immer häufiger verheiratete Paare in den Großstädten allen, die es sehen wollen, wie reich sie oder die Eltern sind, indem sie mit meist offenen Luxuskarossen durch die Städte touren. Auf der Haube ein Blumenbouquet und in Goldbuchstaben der Hinweis:"just married", Ausdruck der wohl liebsten vietnamesischen Beschäftigung "que cua" frei übersetzt: Wer angibt, hat mehr vom Leben.
 
Wenn aber ein Deutscher seine vietnamesische Freundin heiraten möchte, der umgekehrte Fall ist selten, hat er einen langen und schwierigen Instanzenweg vor sich. Wenn er seine Freundin erfolgreich nach Vietnam einladen konnte, und diese über eine übersetzte Geburtsurkunde und Visum für Vietnam verfügt, wird er bei seinem zuständigen deutschen Standesamt eine Überraschung erleben. Das Amt weigert sich, die Ehe zu vollziehen. 
Begründung: Vietnam gehört zu den mehr als 50 Ländern, wo die deutsche Seite keinerlei Papiere, ob Geburtsurkunde, Führerschein o.a. mehr anerkennt. Als Ausweg bietet sich dann der Gang zum Gericht an, wo unter Bezug auf das Grundgesetz und den Schutz der Familie der Richter einer Eheschließung zustimmen kann. Aussichtsreicher ist in den meisten Fällen eine Heirat in Vietnam. Der zukünftige Ehemann benötigt die notwendigen deutschen Papiere: Geburtsurkunde, Ehefähigkeitszeugnis in internationaler Ausfertigung und einen in Vietnam ausgestelltes Zeugnis, dass er nicht HIV positiv und geistig gesund ist.
Die Braut benötigt einen Lebenslauf und eine Geburtsurkunde. Geheiratet wird vor dem örtlichen Volkskommittee. Häufig muss sich der Bräutigam vorher einem langen Polizeiinterview, oft auf Vietnamesisch, unterziehen. 
Nach vollzogener Trauung wird eine Hochzeitsurkunde auf Vietnamesisch und Englisch ausgestellt. Bis zur Ausstellung dieser Urkunde müssen aber an einige Stellen kleinere oder auch größere Geldsummen fließen. Die Urkunde wird nun von der deutschen diplomatischen Vertretung bearbeitet und zu Prüfung an das Bundesverwaltungsamt in Köln geschickt und letztlich an das zuständige Standesamt in Deutschland. Dieser dargestellt Ablauf soll für Interessierte nur als Richtschnur gelten. Jeder Einzelfall wird geringfügig anders gehandhabt.
Bei den Vietnamesinnen, die als Minderheit oft in den Gebirgsregionen wohnen, hat die "Moderne", wenn überhaupt, meist nur in Form von Lippenstift und BH Eingang gefunden. Ganz anders hingegen stellt sich die Situation bei den Frauen in den städtischen Ballungszentren dar. Seit den 90er Jahren gehören der Schlafanzug im Maolook und die Plastiksandalen endgültig der Vergangenheit an. Aus Katalogen westlicher Versandhäuser wurden Klamotten, Schuhwerk und andere Accessoirs eifrig kopiert. Gleichzeitig fand die gesamte Palette moderner Kosmetika ihren Einzug. Im heutigen Vietnam hat sich eine Modeindustrie mit eigenen Labels und Topmodels etabliert, die im internationalen Vergleich durchaus bestehen kann.
Als relativ neue Errungenschaft der modernen Vietnamesin sind kosmetische Eingriffe fast alltäglich geworden. Mit permanenten Lidschatten und nachgezeichneten Augenbrauen begann diese Entwicklung. Dann folgten Nasen - und Brustkorrekturen. Die Industrie für kosmetische Operationen floriert. Als Nonplusultra gilt bei diesen Operationen ein Grübchen im Kinn...
Aber neben diesen Äußerlichkeiten hat sich ebenfalls das Privat- und Berufsleben vieler Vietnamesinnen nachhaltig geändert. Eine eigene Wohnung oder ein eigenes Haus sind für sie ob als Single im Norden oder im Süden keine all zu große Seltenheit mehr. Auch die Partnersuche im Internet nicht. In den Hochzeiten des Sozialismus waren Frauen etwa gleichrangig neben Männern bis zur mittleren Führungsebene in Unternehmen anzutreffen. An der Unternehmensspitze stand aber fast immer ein Mann.
Im Frühjahr 2010 wurden Topmanagerinnen im Fernsehen offen geehrt. Viele von ihnen führen inzwischen Großunternehmen mit z.T. Tausenden von Beschäftigten an. Vor diesem Hintergrund ist es durchaus wahrscheinlich, dass der männliche vietnamesische Machotyp in einigen Jahren zum Auslaufmodell wird.
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